Mein Holmes (2) – ein Hund für Männer

Ich bin der Holmes!

In diesem Teil von: Mein Holmes, ein Hund für Männer, soll es ja darum gehen (wie ich hier angekündigt habe), was so alles nicht geht. Es wird also ein recht umfangreiches Kapitel werden – und nicht das letzte dieser Art bleiben.

Ich hatte ja erklärt, dass der Holmes über sechs Modi verfügt. Die fünf (ich habe den Schmusemodus korrekterweise hinzugefügt) Grundmodi sind: schmusig, ruhig, aufgeregt, jeck und tilt. Hinzu gesellt sich der Supertiltmodus. Schmusig ist mein Holmes fast immer, meistens ruhig, ab und an aufgeregt und hin und wieder jeck. Tillen kommt recht selten vor und für den Supertiltmodus braucht es entweder seinen Lieblingsfeind oder einen anderen, großen Rüden, der es wagt, in Holmes Revier (also unser Dorf, bzw. Holmes´ Sicht- und Geruchsfeld) zu existieren. Dann wird es spaßig; zumindest für den Beobachter, der mindestens 200 Meter entfernt steht. Und nach zehn Sekunden Holmes im Supertiltmodus stehen alle mindestens 200 Meter entfernt. Aber, der Reihe nach …

Der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier, der Hund auch. Ergo drehen wir jeden Tag stets zur ungefähr gleichen Zeit unsere Runden. Und bis vor wenigen Jahren trafen wir noch viele HundebesitzerInnen auf unseren Inspektionsgängen. Inzwischen können wir nahezu unbehelligt spazieren gehen. Weil sich mein Holmes immer so freut …

Wenn Holmes einen Artgenossen erblickt, wird er jeck. Dann macht er sich klein, robbt sich heran und springt dann, voller Enthusiasmus, auf den entdeckten Spielgefährten zu. Wären nun die Frauchens und Herrchens dieser Erde tiefenentspannt, wäre das alles kein Problem. Die Wauzels würden sich beschnüffeln, ggf. etwas rangeln – bei Rüden wahrscheinlich – die Sache wäre geklärt und zukünftige Begegnungen (fast) kein Thema mehr. Die Hunde würden dann zusammen toben oder sich ignorieren. Holmes hat beim Rangeln noch keinen Hund ernsthaft verletzt; und wenn die Rangfolge geklärt ist, herrscht Ruhe! In der Realität nehme ich meinen Wauzel aber immer an die Leine, wenn am Horizont ein verdächtiges Objekt auftaucht. Denn so ein großer Hund, der auf den eigenen Hund (oder einen selbst) zugestürmt kommt, sorgt schon für ein flaues Gefühl im Magen. Ich verstehe das! Aber die Begegnung wird dadurch sehr erschwert. Holmes an der Leine verhält sich in diesem Fall nämlich wie Holmes ohne Leine. Und wenn ich ihn, recht angestrengt, daran hindere, den anderen Hund zu inspizieren, wird Holmes natürlich sauer. Bellt ein wenig, dann ein wenig mehr (was recht imposant klingt), steigt ein kleines Bisschen in der Leine hoch – so auf ca. 1,80m Höhe – und keift in Richtung des anderen Hundes. Keift der frecherweise zurück, nähern wir uns bedenklich dem Supertiltmodus …

Tja, und dieses (Verhaltens-)Muster hat dazu geführt, dass, wenn WIR am Horizont auftauchen, jedermann auf der Stelle kehrt macht. Dabei beißen weder mein Holmes noch ich. Leider kann ich dieses Verhalten jedoch sogar verstehen; denn wer es anders versucht hat, wurde eines Besseren belehrt. Als Beispiel sei nachfolgend ein Ereignis beschrieben: Eine sehr nette Nachbarin, die auch zwei Hunde hat, einen sehr kleinen Wauzel (Chihuahua oder so) und einen Schäferhundmix, begegnete uns lange Zeit freundlich und ohne Angst. Zumindest mit dem Schäferhundmix versuchten wir sogar, die Hunde zusammen laufen zu lassen. Was aber an ihrer ängstlichen Hündin scheiterte; die keifte den Holmes immer weg. Der machte sich da aber gar nichts daraus, sondern ignorierte die keifende Lady schlicht. Ignorieren – eine Meisterdisziplin des Herrn Holmes! Auch bei Hunden kann er dass perfekt …

Doch eines Morgens, ich verließ unseren Garten mit beiden Hunden an der Leine – ohne nach rechts oder links zu schauen – wurde auch diese Nachbarin zur Horizontgrüßerin. Denn Mona und Holmes entdeckten die Nachbarin, die mit ihrem kleinen Hund gerade vom Bäcker kam und sich ca. fünf Meter von unserem Tor entfernt befand, natürlich sofort und rannten los. Da ich nicht darauf gefasst war, konnte ich die wegstürmenden 110 kg nicht nur mit meinen Fingerkuppen halten. Denn ich hatte die Leinen lediglich lose in der Hand. Ein Fehler, den ich sehr selten mache. In ihrer Aufregung stupsten Mona und Holmes den kleinen Hund hin und her, die Nachbarin dazwischen hatte (natürlich) Angst um ihren Mini-Wauzel, wurde aber ebenfalls fast umgerissen, da ihr Hund bei ihr Schutz suchte. Ich stürzte hinter meinen Hunden her, hatte noch eine Leine irgendwie in der Hand, fiel dann natürlich noch hin, die Nachbarin verlor die Brötchentüte, alles regnete auf das Pflaster, sie zog ihren Hund auf den Arm, ich rappelte mich hoch, unsere Hunde drängten sich derweil um die Nachbarin, wollten den kleinen Hund beschnüffeln … Die Nachbarin versuchte, durch lautstarke Kommandos unsere Hunde zurückzudrängen (eine wirklich furchtlose Frau) und nachdem ich mich aufgerappelt hatte, packte ich die Leinen und zog meine Hunde sehr energisch zurück.

Was dann folgte, war unglaublich. Die Nachbarin fragte MICH, ob MIR etwas passiert sei! Ich bugsierte Mona und Holmes in den Garten, entschuldigte mich (ca. drei Millionen mal) und half ihr, die Brötchen aufzusammeln. Die Nachbarin war zwar noch aufgeregt, aber ohne Groll gegen mich oder unsere Hunde! Fragte mich erneut, ob es MIR gut ginge?

Nach unserer Morgenrunde (die ich stinksauer auf unsere Mistviecher absolvierte!) rief ich sie an, um mich erneut zu entschuldigen und um noch einmal zu fragen, ob ihr oder ihrem Hund etwas passiert sei? Nein, alles in Ordnung, der Hund hätte wohl ein wenig abbekommen, nichts Ernstes, er wurde ja nur etwas hin und her geschoben … Nachmittags traf ich sie (und ihre Tochter) erneut. Sie stoppten mit dem Auto neben mir, wollten nur noch einmal sagen, dass alles in Ordnung sei. Dabei kamen sie gerade mit dem kleinen Hund vom Tierarzt! Denn der hatte Schürfwunden (auch an seinem Penis, der arme) erlitten, die behandelt werden mussten. Ich erklärte wieder, wie leid mir das alles tue und sagte, dass ich selbstverständlich die Tierarztkosten übernehmen würde. Das käme gar nicht infrage, denn wenn man Hunde hätte, entgegnete die gute Frau, dann müsste man mit so etwas schon rechnen! Ich werde ihr diesen Großmut nicht vergessen und bedauere es sehr, dass sie uns nun natürlich (nur, wenn sie einen Hund dabei hat) auch nur noch sehr freundlich aus der Ferne zuwinkt!

Das ist also auch mein Holmes; ein Teil von ihm. Mona hat diese schlechten Angewohnheiten lediglich übernommen. Schlechte Vorbilder verderben auch bei Wauzels gute Sitten. Selbstverständlich liegt der größte Teil dieser Malaise an mir und den Fehlern, die ich gemacht habe, als der Holmes noch ein kleiner Holmes war! Darüber, was da so alles schief gelaufen ist – Silke und ich auch falsch beraten wurden – berichte ich aber im dritten Teil von: Mein Holmes, ein Hund für Männer.

Nun seht ihr zum ersten Mal auf diesen Seiten, dass hier nicht alles eitel Sonnenschein ist! Das soll auch so sein, denn wir wollen unsere Hunde und uns nicht glorifizieren! Es gibt nicht nur Sonnenseiten auf der Wauzelwelt. Doch der Schatten wird immer wieder durch die Sonne verdrängt …

Kommentare

  1. Die Nachbarin ist ja echt klasse, so hätten wohl nicht viele reagiert…
    Schade, dass Molly (der Hursch) nicht in der Nähe war. Es hätte Dir zumindest das Aufsammeln der Brötchen erspart. Molly LIEBT Brötchen!

    • Aber, ob die Nachbarin darüber erfreut gewesen wäre (wenn Molly die Brötchen …), ist auch eher zweifelhaft ;-) Ansonsten war ihre Reaktion wirklich toll. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Das war übrigens nur ein kleiner Vorgeschmack auf den Supertiltmodus von Holmes!

  2. FBI meint::

    Ha, den Supertiltmodus kennen wir nur zu gut, ich würde ihn sogar als „Supertiltextremmodus“ bezeichnen. Nach dem Training im letzten Jahr lief auch alles gut und wir konnten entspannt den Lieblingsfeinden begegnen. Nun gibt es aber neue Lieblingsfeinde und der Schwarze legt wieder los……
    Der Blonde ist nur laut, aber auch das ist nervig.

    • Tja, einen kleinen Vorteil habt ihr aber: Das Handling Eurer Wauzels ist nicht gaaaaanz so schwer ;-) Mist ist so etwas aber immer; man will ja in Ruhe durch die Welt laufen. Nicht immer im Stress :-(

  3. Warum musst du dir auch solch einen Riesen-Wauzel anschaffen, wenn du ihn dann nur mühsam halten kannst und der dann dem kleinen Mini-Wauzel den Penis beschädigt …

    Warum machen Hunde denn so etwas – steht das nicht in Silkes Hundeführer?

    Leidet Holmes darunter, dass er immer an der Leine geführt wird? Ich sehe alle Tage, sogar in den Einkaufszentren, wie Hundebesitzer ihre Wauzels krampfhaft an den Hundeleinen zurückzerren, nur damit der keinen anderen Hund beschnüffeln kann. Und wie sie dann den Hund dabei halb erwürgen.

    Und stell dir vor, du müsstest so ein Hundehalsband tragen und würdest dauernd damit gewürgt…Da würde wohl jeder irgendwie aggressiv werden.

    Eine Abhilfe weiss ich aber auch nicht.

    Aber du hast wirklich gute Nachbarn!

    • Liebe Sica, das sind viele Fragen. Ich will mal auch noch etwas dazu schreiben.
      Zuerst vorweg: Ich kann Dir versichern, dass wir zu den Hundeleuten gehören, die versuchen, ihre Wauzels möglichst artgerecht zu halten. Das heißt, unsere Hunde dürfen toben, ohne Leine rennen (überall wo es gefahrlos möglich ist), sich dreckig machen, schwimmen gehen, buddeln, eklige Sachen fressen, werden außerdem beschäftigt und bekommen natürlich auch Kontaktmöglichkeiten zu anderen Artgenossen. Das ist kein Problem bei Artgenossen, die in etwa gleich groß sind. Aber wenn es eben die ganz Kleinen sind, kann auch ein gar nicht beabsichtiger Rempler zu Verletzungen führen. Mal ein Beispiel: Mona rennt gerne beim Spazieren gehen mit vielen anderen (großen und kleinen Hunden) über die Felder. Beim Toben hat sie da auch schon einmal einen deutlich kleineren Hund umgerannt, der ihr direkt vor die Füße gelaufen ist. Der Kleine ist aufgestanden, hat sich ordentlich geschüttelt, und ist dann gleich mit ihr weitergeflitzt. Genauso hätte es passieren können, dass er sich dabei z.B. etwas zerrt.
      Würgehalsbänder lehnen wir genauso ab, wie Stachelhalsbänder und ähnlichen Unsinn. Du hast vollkommen Recht damit, dass so etwas Aggressivität nur steigern würde.
      Aber das was Ralph hier beschrieben hat war nicht Aggressivität, sondern ein – zugegebenermaßen sehr aufdringliches und so auch natürlich nicht akzeptables – Kontaktaufnehmen mit dem Kleinen. Unsere Hunde sind da sehr überschwenglich, deshalb muss man immer auf der Hut sein und darf eben nicht beim aus dem Garten herausgehen rumträumen, sondern muss schauen, was in der Umgebung passiert. Dann ist es auch kein Problem. Oder sagen wir mal so: Die Situation ist dann jedenfalls zu meistern.

  4. Der Holmes muss nicht immer an der Leine laufen! Nur jetzt, wo Leinenzwang herrscht, natürlich Ansonsten, in der Feldmark, tobt er umher, wie es ihm gefällt! Mona natürlich auch.
    Wir sind am Anfang der Wauzelwelt, liebe Sica. Es kommen noch viele Artikel, die sehr viel erklären werden! Wir würgen unsere Hunde nicht!!! – und ich kann sie halten. Wenn ich aufpasse; was ich fast immer tue …
    Der dritte Teil dieser Reihe wird für Dich sehr hart werden, denn da gibt es wirklich Schattenseiten und dunkle Wolken! Vor allem, weil ich total versagte! Aber, um Dich schon vorab zu beruhigen: Inzwischen ist alles wieder im Lot. Doch warum das so ist, die Erklärung dafür dauert einfach noch!
    Und, abschließend: Holmes und Mona leiden hier gaaaaanz sicher nicht! Versprochen Wir schreiben nur ehrlich über alles, was so passiert und passiert ist …

  5. FBI meint::

    Die geschilderte Situation ist ja nur eine Ausnahme, in den meisten Fällen habt Ihr sie ja unter Kontrolle und Gott sein Dank sind es ja herzensgute und liebenswerte „Riesen“. Und Schuld an der Situation waren ja nicht die Hunde, oder????????

    Das Holmes oder vielleicht auch Monchen bei dem ein oder anderen Hund mal „tilt“ ist ja okay. Wir Menschen mögen ja auch nicht jeden, können uns dann aber wohl besser verstellen.

    • An wem sollte es denn liegen, wenn die Wauzels nicht Schuld haben, grübel … :-)
      Und ja, meistens ist alles prima! Wir haben in 95% der Fälle sehr liebe Hunde …

Sitz! und gib Laut:

Bitte frei Schnauze - keine Pfote vor die selbige nehmen!

Rechtschreibfähler werden hier freundlich icknoriert und wechgewedelt!

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