Mein Holmes (3.1), ein Hund für Männer

Ich bin der Holmes!

ERSTER ABSCHNITT

Mein Holmes und ich sind ein eingeschworenes Team. Jeder kennt die Eigenarten des Anderen und nimmt darauf, so gut ein Wauzel und ein Sturkopf diese Disziplin beherrschen, Rücksicht. Dies ist zwar sicher der falsche Begriff, aber die Beschreibung der gegenseitigen Akzeptanz wird noch viele Kapitel dieses Blogs füllen; belassen wir es also zunächst bei Rücksicht. Doch bis wir diesen sehr komfortablen und angenehmen Status erreichten, trugen wir einige Kämpfe aus. Die waren zwar lustig anzusehen und haben viele Menschen unterhalten, sie hätten aber auch zu sehr ernsten Konsequenzen führen können …

Beispielsweise hätte mir die ungestüme Art meines Wauzels vor einigen Jahren beinahe zu einem starken Sehkraftverlust verholfen. Wenn ich den Verlust eines Auges mal so salopp formulieren darf. Ich hole etwas aus um die Entstehung dieser Situation zu beschreiben und bemühe mich dabei, nicht zu weit abzuschweifen!

Vor viereinhalb Jahren war der Holmes mitten in seiner Rüpelphase und diese gebar den Supertiltmodus. Der wiederum setzte ein, wenn der Herr Holmes am Horizont seinen Lieblingsfeind – einen kräftigen und griffigen Sennenhund – erspähte, erschnupperte oder auch nur vermutete. Dann rannte er los, angeleint oder nicht. Einmal entdeckte er ihn in geschätzten 400 m Entfernung und peste los. Ich hatte ihn nicht an der Leine, denn ich hielt einen knappen halben Kilometer für einen ausreichenden Sicherheitsabstand. Den was-auch-immer-für-einen-Sennenhund begleiten, auch heute noch, zwei rüstige alte Herren, die sich auch ohne ihre Spazierstöcke noch gut auf den Beinen halten können. Dieser an sich erfreuliche Umstand bewahrte den was-auch-immer-für-einen-Sennenhund zumindest vor einer sehr gründlichen Einnordung und verhinderte leider aber auch die Klärung, wem die Welt nun eigentlich gehört. Denn die Stöcke vertrieben den Holmes und als ich, nach einem gefühlten Halbmarathon in den Beinen und leicht außer Atem, den Ort des vermuteten Schreckens erreichte, lief mein Raubtier direkt auf mich zu und sah recht empört aus der Wäsche. Ich machte, was ich in solchen Situationen immer tat: Den Hund anleinen, fragen, ob etwas passiert sei – verbunden mit einer Entschuldigung für Holmes´ Verhalten …

Leider trafen wir dieses Trio infernale auch hin und wieder unvermutet hinter einer Weggabelung. Dann begann ich mit dem Holmes zu tanzen und versuchte dabei, einen möglichst eleganten und vor allem großen Bogen zu beschreiben. Eher im Lateinamerikanischen denn im Standard Stil. Zwei Bären in der Arena, wobei der eine versucht, den anderen vom Honig fernzuhalten. Für den Betrachter stets amüsant, für die beteiligten Bären jedoch ein unwürdiges Spektakel. Leider begrenzte bei einer Begegnung dieser Art ein mit Stacheldraht verzierter Zaun unseren Tanzradius. Weil ich nicht weiter nach hinten ausweichen konnte, hing ich nach wenigen Sekunden auf halb acht in diesem Zaun, versuchte meinen tierischen Berserker im Zaum zu halten und bot mit Sicherheit ein mir unwürdiges Bild; was die beiden alten Männer zu heiteren Sprüchen und humorvollen Bemerkungen animierte. Diese wiederum ließen mich darüber nachdenken, den Holmes nun einfach nicht mehr festhalten zu können …

Wir mussten endlich eine Hundeschule finden, in der dem Holmes diese Flausen ausgetrieben und stattdessen zarte Flötentöne beigebracht wurden. Ein weites Feld, was in diesem Blog noch sehr gewürdigt werden wird! In einer Hundeschule wurde mir empfohlen, den Holmes bei einem Rüpelanfall zu packen und auf den Rücken zu drehen. Um ihm zu zeigen, wer denn hier des Boss sei. Damals war ich noch genauso ein Idiot wie die Trainerin, die mir diesen Rat gab, wohl heute noch ist! Jedenfalls bekam ich rasch Gelegenheit zur Umsetzung. Als der Holmes sich wieder einmal dramatisch uneinsichtig, ungehorsam, und wie der wilde Watz verhielt, völlig ohne Lieblingsfeind, begann der Kampf der Titanen auf einem Feld bei Lichtenhagen. Ich packte meinen Wauzel und versuchte, ihn auf den Rücken zu drehen. Damals wog der Holmes auch schon knappe 60 kg und war schon beinahe so stark wie er es heute ist. Er wehrte sich verständlicherweise, denn so gepackt und eingeschränkt auf den Rücken gedreht zu werden, war nicht nach seinem Gusto. Zumal Herrchen, der zunehmend in einen Zustand der Raserei geriet, ihm sicher die Kehle durchbeißen würde, wenn er denn endlich auf dem Rücken läge. Wir kämpften, wir kämpften wirklich und der Holmes knurrte, bellte und machte Geräusche, die alle Tiere im Umkreis von einem Kilometer in die sichere Höhle getrieben haben dürften. Ich gewann, weil in diesem Fall tatsächlich der Klügere nachgab. Der Holmes lag auf dem Rücken, hatte alle viere von sich gestreckt und verstand die Welt nicht mehr. Als ich die Raserei hinter mir hatte, vermisste ich jegliches Triumphgefühl und es brach sich die Erkenntnis bahn, wohl jämmerlich versagt zu haben …

Das mich der Holmes während dieser Auseinandersetzung nicht gebissen, ja noch nicht einmal gezwickt hat zeigt, wie prächtig Landseer geartet sind. Dennoch war unser Verhältnis zu dieser Zeit auf dem Tiefpunkt. Wir flogen aus der Hundeschule (ein Glück; doch Silke meint immer noch, uns wurde nur nahegelegt, Einzelunterricht zu nehmen) und unsere Spaziergänge waren unentspannt, mein Umgangston entsprach Holmes´ Geschlecht und ich verfluchte den Tag, an dem wir uns entschlossen hatten, einen Hund als Wegbegleiter auszuwählen. Der Wauzel und ich kuschelten kaum noch und ich strafte ihn mit Ignoranz. Ein sehr hartes Strafmaß für einen geselligen Vierbeiner! So konnte es nicht weitergehen – und nach einem weiteren Versuch in einer zweifelhaften Hundeschule und der Begegnung mit einem Scharlatan, der mit dem Holmes mal kurz um die Ecke wollte, um ihn Mores zu lehren, trafen wir endlich Ulrich Wessel. Von da an ging es stetig bergauf – auch wenn mich ein Besuch in der Hundeschule fast den Durchblick gekostet hätte …

Wie das passieren konnte, erfahrt ihr aber im zweiten Abschnitt des dritten Teils von: Mein Holmes, ein Hund für Männer. Denn ich habe doch sehr stark ausgeholt ;-)

Kommentare

  1. Wir flogen NICHT aus der Hundeschule! Was ich in diesem Fall auch wirklich eindeutig besser weiß, weil mein GöGa ja überhaupt gar nicht dabei war, denn zur Hundeschule fuhr ICH in 99% der Fälle und so auch an diesem speziellen Tag.
    Es war vielmehr so, dass die Trainerin mir erklärte, für das damals recht rüpelige Verhalten von Holmes im Gruppentraining keinen Rat zu wissen. Ich fand es sehr fair, dass sie sich und mir das eingestand, und nicht irgendwelche Experimente veranstaltete, von denen ich vielleicht damals noch nicht einmal gewußt hätte, dass es welche sind. Man verlässt sich ja auf vieles, was man so hört. Zumindest am Anfang. Die angebotenen Einzelstunden, um zunächst ohne Ablenkung weiter zu trainieren, habe ich bzw. haben wir dann nicht angenommen, weil wir zu Hause soweit keine größeren Schwierigkeiten hatten, und Holmes bis auf seine gelegentlichen Spinnereien beim Auftauchen seines Lieblingsfeindes ein absoluter Streber war.
    Aber das alles ist jetzt auch schon sehr lange her… und inzwischen wissen wir vieles sehr viel besser.
    Holmes ist nämlich ein großartiger Lehrmeister.

    • Ja,ja – MANN versteht es aber, wie ER will. Und ich verstand das freundliche Angebot schon richtig … *ich brauche einen Aufstampf-Smiley*

  2. Kannst es ja gar nicht verstanden haben, warst ja geschätzte 20 km Luftlinie entfernt zu Hause… tsssssss.
    *Zunge-rausstreck-Smiley*

  3. Silke meint::

    Ist ja nun auch egal. Entscheidend ist doch, dass wir letztendlich bei der richtigen HuSchu gelandet sind (Wo übrigens vor allem WIR dazugelernt haben und immernoch lernen)

  4. Lieber Ralph!
    Traurig, dass Deine kreative Darstellung nicht in ‚vollem‘ Umfang (an)erkannt wird
    LG

    • So ist das mit verkannten Genies :yes: Aber, ich bin ja noch jung *hüstel* und Mann soll die Hoffnung ja nie aufgeben. Und DU erkennst ja die gesamte Tragweite meiner Darstellungskunst :-) Ein guter Beginn!

  5. Und war der Ratschlag, Holmes bei einem Rübelanfall auf den Rücken zu drehen, nun richtig oder falsch? Denn Ralph hält ja im Nachhinein diesen Ratschlag der Trainerin für idiotisch. Silke hingegen hat diese Trainerin gelobt, vor allem, weil sie ehrlich war und gesagt hat, dass ihre Kenntnisse für den Fall Holmes nicht ausreichen…

    Den armen Holmes auf den Rücken drehen und wahrscheinlich hatte der gerade keinen Rüpelanfall und wusste gar nicht, was ihm geschah.!!!

    Und in die Nase gebissen hat er dem bösen Ralph auch nicht, das zeigt, wie friedfertig der Holmes ist.

    Vielleicht sollte er lieber Gandhi Holmes heissen.

    • Silke meint::

      Der Ratschlag, den Holmes auf den Rücken zu werfen, war völliger Blödsinn, absolut falsch. Es gibt aber leider noch immer einige Trainer, die das empfehlen, um damit den Hund zu „unterwerfen“. So funktioniert das aber nicht. Das „auf den Rücken drehen und die Kehle hinhalten“ ist eine aktive Unterwerfungsgeste, die der Hund selbst ausführt, wenn er zeigen will, dass er sich unterwirft. Man kann das z.B. beobachten, wenn Hunde untereinander agieren. Aber eine solche freiwillige Unterwerfung kann man natürlich nicht erzwingen. Das ist in sich schon widersprüchlich. Der Hund kann das nicht verstehen. Und auch Holmes konnte das natürlich nicht verstehen.
      Es war auch nicht die gleiche Trainerin, die Ralph diesen Ratschlag gab. Wie schon geschrieben, haben wir mehrere Stationen durchlaufen und mehrere Trainer/innen kennengelernt…
      Was ich an einer dieser Trainerinnen in meinem Kommentar oben gelobt habe, war lediglich das Eingeständnis des „nicht-mehr-weiter-wissens“. Kaum jemand ist so ehrlich zu sich selbst, geschweige denn zu einem Kunden…

  6. Da kann man nur die Lektüre von Patricia B. McCornell ‚ Das andere Ende de Leine‘ Kynos Verlag empfehlen –
    auch wenn noch nicht ganz Senior, die ja bekanntlich lernfähig aber unbelehrbar sind, vielleicht ist Einsicht noch möglich.
    LG

Trackbacks

  1. […] erinnert Euch sicher noch, dass ich im ersten Abschnitt des dritten Teils dieser kleinen Reihe angedeutet hatte, dass mich ein Besuch in der, nun endlich gefundenen, […]

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