Mein Holmes (4), ein Hund für Männer

Ich bin der Holmes!

Bisher konntet Ihr ja den Eindruck gewinnen, dass es in dieser kleinen Reihe um den Holmes von Baskerville geht, der von einem gewissen Ralph Hyde nicht an die Kette gelegt werden konnte. Doch die bisherigen Episoden sollten Euch nur aufzeigen, dass es nicht immer einfach ist, einen großen Hund zu halten. Der Wortsinn ist hier signifikant. Natürlich sind die in den Kapiteln zuvor beschriebenen Situationen nur entstanden, weil zwei sture Charaktere aufeinandertrafen und weil Mr. Hyde zu spät zu seinen Tabletten gegriffen hat. Die Tabletten, die aus mir wieder den liebenswerten und von allem souveränen Ralph Jekyll machen, heißen Gelassenheit und Konsequenz, sind rezeptfrei verfügbar und werden hin und wieder in guten Hundeschulen verabreicht.

Ihr erinnert Euch sicher daran, dass ich erwähnte, dass die Horrorszenarien lange zurückliegen und alle in einer Zeit passierten, als der Holmes in der Pubertät war und ich vermutlich in der Midlife-Crisis steckte. Eine explosive Mischung, die einfach hochgehen musste. Denn klar ist, dass Holmes nun einmal über enorme Kräfte verfügt und es schon zu einem Sturz des Hundeführers kommen kann, wenn Holmes einfach nur einmal kurz nach links abbiegt, um ganz friedlich an einem besonders interessanten Busch zu schnüffeln. Dabei macht der Holmes nichts anderes als ein Rehpinscher: Er geht einfach hin. Der kleine Unterschied ist, dass ihr die Richtungsänderung des Rehpinschers gar nicht bemerkt, wenn ihr unaufmerksam seid. Der Zwergenhund wird an der Leine umgerissen, er überschlägt sich anschließend ein bis drei Mal und geht dann wieder neben Euch. Wenn er sich nicht das Genick gebrochen hat. Wie brav! Beim Holmes verhält es sich genauso, nur dass ihr Euch mit der Leine in der Hand ein bis drei Mal überschlagt und dann neben dem Holmes am Busch in Ruhe wieder aufstehen dürft. Wenn Ihr Euch nicht das Genick gebrochen habt. Wie brav!

Ich habe also gelernt, nicht mehr wie früher träumend und meinen Gedanken nachhängend mit dem Wauzel durch die Landschaft zu wandern, sondern wie ein Luchs auf der Lauer Hund und Umgebung zu beobachten. Ist der Boden glitschig, weiß ich so immerhin schon relativ früh, wann ich wieder Papst spielen und den Grund küssen darf. Ein enormer Vorteil, denn so habe ich viel mehr Zeit zum Überlegen, wie ich die peinliche Situation mit einer perfekten Erklärung entschärfen kann. Schon während es mir wieder einmal den Boden unter den Füßen wegreißt, arbeitet mein Hirn auf Hochtouren. Meistens ist mir inzwischen schon lange vor dem Aufschlag klar, was ich sagen werde. Den Rest der Zeit kann ich verwenden, um den Aufprall durch herausragendes körperliches Geschick etwas abzumildern. Hundehaltung hält also Körper und Geist fit und flexibel …

Und wenn ich einmal nicht falle oder den Holmes mit aller Kraft daran hindere, andere Hunde oder Menschen mit seiner Anwesenheit zu beglücken, dann, ja dann zeigt sich, warum mein Holmes ein Hund für Männer ist. Denn dann wird gekrault und gekuschelt, ich lese dem Holmes Geschichten vor und er liegt, geht und steht immer so nah bei mir, dass wahrlich kein Blatt zwischen uns passt! Und diese Zeit macht deutlich mehr als neunzig Prozent unseres Zusammenlebens aus …

Jetzt werdet Ihr sicher gestutzt haben: Der Ralph liest dem Holmes Geschichten vor – so ein Quatsch. Recht habt ihr; das mache ich natürlich nicht und es sollte nur beschreiben, wie friedlich es dann zwischen uns ist. Allerdings spreche ich mit meinem Holmes wirklich immer in ganzen Sätzen. Das fand schon der Hundetrainer in unserer wirklich guten Hundeschule immer sehr bemerkenswert. Er konnte mir das allerdings ebenso wenig abgewöhnen wie dem Holmes seine Marotten. Aber wir verstehen inzwischen beide (der Holmes und ich) erheblich besser, warum das so ist. Abschließend möchte ich Euch noch ein Geheimnis verraten: Manchmal spreche ich auch ganz leise mit meinem Holmes und was soll ich sagen: Er versteht natürlich jedes Wort!

Kommentare

  1. Ganz ehrlich…ich glaube auch, dass er dich versteht. Tiere und Menschen können das untereinander, aber nur wenn man sie gut behandelt und das sehe ich hier ganz einwandfrei.
    Dein Holmes und du, ihr seid ein eingespieltes Team.

    GLG Marianne

    • Ja, wir sind ein „Kopp und ein Arsch“ – wie der „Volksmund“ so schön beschreibt. Es hat zwar einige Zeit gedauert, aber was lange währt, wird ja meistens gut :yes:
      Liebe Grüße zurück und einen schönen Abend!

  2. Ein Hoch auf die Marotten! Sonst wäre es ja langweilig.
    Und Hutze & Hursch verstehen natürlich auch jedes Wort. :-)
    Ich bin ja froh, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der in ganzen Sätzen mit den Hunden redet, allerdings ist es bei mir nicht immer, nur oft. :-)

  3. Warum grinst das Frauchen jetzt eigentlich? Einige Situationen sind für Zweibeiner peinlich und für uns lustig. Wir sind zwar nicht so groß wie Holmes, dafür sind wir zu zweit. Was es nicht gerade leichter für unser Frauchen macht. Dazu sind wir ja echte Zicken und freuen uns diebisch wenn wir andere Leute erschrecken können. Besonders Spaß macht es wenn die kopfüber im Kofferraum ihres Auto´s stecken um was aus der äußeren Ecke raus zu angeln. Leise anschleichen und dann ein kurzes Gekläffe verursachte schon böse Beulen.
    Liebe wauzis von Emma und Lotte

    • Ja, Frauen besitzen mehr Heimtücke – wie wieder einmal bewiesen wäre B-)
      Männer sind da klarer und direkter! Laut bellen und direkt drauf … Anschleichen und Kläffen, pah … ;-)

  4. Hallo,
    meiner Meinung nach verstehen sich Hund und Mensch richtig gut und vor allem der Hund weiß was Mensch von ihm möchte.
    Wir gehen mit unsrem Hund immer zum Italiener und die Chefin dort steht total auf ihn und fragt jedes mal ob sie ihn füttern darf.
    Letztens meinte ich dann am Tisch:“ Komisch, wo bleibt denn MARIANNA“ und Paul ( unser Hund) zeigte direkt eine Reaktion auf den Namen.
    Unglaublich sowas aber man erkennt wie intelligent Hunde sind und da dort ja doch eine Kommunikationsebene zwischen Hund und Mensch sein muss.

    • Willkommen, Sascha und dass da eine Kommunikationsebene ist, davon sind wir (hier) alle sicher überzeugt :yes: Und Euer Hund hat die Verbindung von leckerem Essen und „Marianna“ garantiert sehr schnell hergestellt ;-) Und Mensch und Hund sind sicher ein Dreamteam, wenn der Mensch den Hund anständig behandelt! Dann bekommt er einen ehrlichen Begleiter durch dick und dünn …
      Herzliche Grüße!

Trackbacks

  1. […] im Juli 2011 hatte ich den letzten Artikel der kleinen Serie: Mein Holmes, ein Hund für Männer veröffentlicht – und anlässlich unseres […]

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