Romantisches, aber kein Zeuchs – Projekt 52 Bücher

16. Woche

In der 16. Woche dieses wunschlistenfüllenden Projektes bittet das Fellmonsterchen um Beiträge zum Motto „Romantisches Zeuchs“. Das ist so eine Sache. Weil mir dazu zu allererst Liebesromane einfallen. Und weil meine Liebesromanphase längst, längst vorbei ist und ich mich nicht wirklich an irgendeine dieser Schnulzen noch ausreichend erinnern kann.
Außerdem wären es die allermeisten auch nicht wirklich wert, noch einmal darüber nachzudenken geschweige denn zu schreiben. Ganz viele Liebesromane sind ja wie Zeitungen: Man liest sie, obwohl nicht wirklich so viel Neues drin steht, anschließend liegen sie rum, bis sie entsorgt werden: In irgendeiner dunklen unteren Ecke eines nicht zugänglichen Bücherregals, in jahrelang ungeöffneten Umzugskisten oder vielleicht auch gleich beim Flohmarkt.
Ergebnis jedenfalls: Weg damit, weil nach einmaliger Verwendung nicht mehr zu gebrauchen. Hey, mit Zeitungen kann man da sogar noch mehr anfangen. Den Kamin anzünden zum Beispiel, oder aus Pappmache lustige Dinge formen. Ähm.. ja. Zurück zum Thema.

Also, einen Liebesroman klassischen Formats kann und will ich nicht vorstellen.
Aber mir sind trotzdem zwei Bücher eingefallen, die ich sehr wohl als „romantisch“, niemals allerdings als „Zeuchs“ bezeichnen würde.

Das eine ist der Roman „Lila, Lila“ von Martin Suter. Martin Suter ist einer dieser Autoren, denen kleine, wundervolle Zauberstückchen gelingen. Ich habe inzwischen drei Bücher von ihm gelesen und es werden noch einige folgen. In „Lila, Lila“ findet ein Mann ein Buchmanuskript und gibt sich als Autor desselben aus. Warum tut er das? Denn Anfangs ist das gar nicht sein Plan. Als er aber bemerkt, dass er als wortgewandter Autor und vor allem auch mit gerade diesem „seinem“ Buch bei seiner Herzensdame landen kann – was ihm sehr wichtig ist – zieht er das Ding durch. Was allerdings im Verlauf der Geschichte immer schwieriger wird. Er versinkt immer tiefer in diesem Sumpf aus Täuschung, Schauspiel und wachsenden Problemen. Die Geschichte ist romantisch. Aber nicht rosig.
Und sie endet so (Zitat Seite 345)*:
„Dies ist die Geschichte von David und Marie. Lieber Gott, laß sie nicht traurig enden.“

 

Das andere Buch ist eine Entdeckung, die ich im Dezember 1998 gemacht habe. Es hat mich sehr nachhaltig beeindruckt. Ursprünglich erschienen unter dem Titel „Die Eule fliegt erst in der Dämmerung“ wurde es im Jahr 1995 als „Frankie Starlight“ verfilmt und dann im Februar 1996 im Goldmann Verlag unter eben diesem Titel erneut veröffentlicht. Autor ist Chet Raymo.

Ich habe das Buch als Mängelexemplar aus einer Grabbelkiste im Supermarkt mitgenommen und es ist bis heute eine der schönsten Grabbelkisten-Überraschungen. Es ist verdammt schwer, dieses Buch zu beschreiben, und den Zauber, den es entfaltet. Frankie erzählt hier – während seine eigene Geschichte geschieht – in Rückblenden die Geschichte seiner Mutter, die 1945 sehr jung von Frankreich nach Amerika zu fliehen versucht, und dabei in Irland strandet. Dort bringt sie Frankie zur Welt, der wegen eines Gen-Defekts zwergenwüchsig ist. Sie lebt ihr seltsames und eigentlich eher trauriges Leben mit insbesondere zwei Liebhabern, die sich beide mehr um Frankie kümmern, als sie es selbst tut. Einer begeistert Frankie für die Welt der Sterne, der andere ist ihm fast so etwas wie ein Vater – zumindest wünscht sich Frankie das. Frankie weiß sehr früh, dass er anders ist. Aber er fügt sich in eine Welt, die für ihn im besten Fall Zuneigung bereit hält, aber eben auch nicht mehr.  

Zitat Seite 101**:

„Ich erkannte, daß ich anders war, und immer anders sein würde. Ich begriff, daß ich immer nur Beobachter bleiben würde, der die Schönheit wie durch ein Teleskop betrachtet, ebenso weit davon entfernt, zu besitzen, was ich sah – was ich als begehrenswert ansah – wie ich von den Galaxien und Sternen entfernt war.“

Das Buch ist wahnsinnig traurig, ich habe beim Lesen teilweise laut geheult. Aber es ist auch unsagbar romantisch, auf eine ganz andere Art und Weise. Ich hatte es von Anfang an auf meiner Liste für dieses Projekt, wußte aber noch nicht, wo ich es unterbringen kann. Hier passt es nun gut. Und ich wünsche ihm noch viele, viele Leser. Bei mir liegt es jetzt wieder auf dem NochmalLesenStapel.

 

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*    „Lila, Lila“ von Martin Suter, Diogenes Verlag AG Zürich, 2004
**  „Frankie Starlight“ von Chet Raymo, Goldmann Verlag München, Wiederveröffentlichung 02/1996

Kommentare

  1. wie Du eingangs selbst schreibst:
    wunschlistenfüllend
    Auch dieser Beitrag.
    *geht schreiben*
    Viele Grüße!

  2. (Ich gehe davon aus, dass das Antispamwort als Befehl aufzufassen ist? Dort steht „nougat“. Ich verstehe.)
    „Lila, Lila“ kenne ich, das fand ich auch nicht schlecht. Von Suter habe ich auch noch „Business Class“ (oder so ähnlich) gelesen, auch nicht schlecht, aber auch nicht so, dass es mich richtig umgehauen hat.
    Das andere Buch darf dann mal mit auf die Wunschliste… Die wird ja mehr gefüttert als Hutze und Hursch zusammen.

    • (Befehl ausgeführt? Brav! Dieses Anti-Spam-Wort hat Ralph wahrscheinlich extra für Dich und für seinrotesLieblingsmonster eingerichtet…)

      Ich habe von Suter noch „Small World“ und „Die dunkle Seite des Mondes“, die ich beide stark fand. Neulich habe ich euin neues gesehen: „Der Koch“. Aber ich konnte mich noch nicht aufraffen, es zu kaufen. Hier warten noch so viele andere leckere Lesestöffchen…

  3. Beide Bücher klingen sehr interessant. Von Suter habe ich bisher nur „Die dunkle Seite des Mondes“ gelesen, und ich fnad es klasse. Es wird also Zeit für weitere Bücher von ihm.

    • Suter: Ich habe an seiner Art zu schreiben schnell Gefallen gefunden. Ein bißchen abgedreht, aber immer irgendwie auch anrührend… Leider muss ich mich im Moment ein bißchen auf andere Dinge konzentrieren, so dass ich nicht so viel zum Lesen komme. Aber bald möchte ich auch mal wieder was von ihm lesen.

Sitz! und gib Laut:

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