Nicht gefallende Bücher – Projekt 52 Bücher

35. Woche

Das Motto der 35. Woche von Fellmonsterchens Bücherprojekt lautet:

„Ein bekanntes Buch, von dem man fast nur Gutes hört, das Dir aber gar nicht gefallen hat“

Das ist deshalb schwierig, weil ich zwar einige Bücher habe, die mir gar nicht gefallen haben. Aber ich glaube auch nicht, dass die wirklich so sehr bekannt sind. Und ich habe auch nicht wirklich fast nur Gutes von ihnen gehört. Also stehe ich heute für gelebte Anarchie (hoffend auf die Gnade der angehenden Weltherrscherin) und erfülle einfach nur den letzten Teil des Mottos. Es werden also Bücher vorgestellt, die mir gar nicht gefallen haben.

Ganz viele Bücher sind schon auf sehr verschlungenen Wegen zu mir gelangt, zum Beispiel in dem sie mir in der Trödelscheune auf den Kopf gefallen sind – aber das ist eine andere Geschichte, die ich bei einem anderen Motto erzählen werde.

Ziemlich häufig kaufe ich auch Bücher, deren Titelbildgestaltung oder außergewöhnliche Haptik mich irgendwie besonders anspricht. Will sagen: Es ist nicht immer der (beschriebene) Inhalt, der für den Kauf sorgt. Da könnte also schon vieles schief gehen. Komischerweise klappt es aber allermeistens, und das Buch ist dann auch tatsächlich inhaltlich schön.

Manchmal braucht man einfach nur ein Fast-Food-Buch für eine Bahnfahrt – weil das aktuelle Buch sich doch schneller auslas, als gedacht, und eine Bahnfahrt ohne Buch irgendwie so ist wie Grillen ohne Holzkohle.

Das erste Buch, über das ich mich also beschweren möchte, gehört in diese Kategorie. Ich fand es im Bahnhofsbuchhandel in einer Grabbelkiste. Weil es schnell gehen musste, konnte ich nicht in Ruhe schauen, also habe ich nach etwas gegriffen, was nach Krimi aussah. Und was soll ich sagen: Ich bin dann also doch Bahn gefahren, ohne zu lesen. Ich habe wirklich tapfer eine halbe Stunde lang versucht, dieses Buch zu lesen. Um dann verzweifelt festzustellen, dass Jerry Cotton–Dialoge recht anspruchsvoll gegen die in diesem Buch sind. Meine Güte, wie stumpf kann man schreiben? Und so etwas wird veröffentlicht? Das sind die Momente, in denen man sich fragt, warum man nicht doch mal versucht, selbst ein Buch zu schreiben.
SOWAS könnte man doch locker übertreffen. Muss ich mehr dazu schreiben? Nein? Gut. Achso, der Titel noch: „Hexenkessel“ von Colin Forbes. Im allseits bekannten Internetwarenhaus habe ich gerade gesehen, dass das Buch tatsächlich wirklich nicht zum Motto passt, denn es gibt bei den Rezensionen bestenfalls 2 Sterne. Womit aber andererseits bewiesen wäre, dass nicht nur mir aufgefallen ist, dass es selten doof ist. Gleichzeitig könnte ich aber damit auch den Beitrag der 31. Woche nachholen, denn es ist in der Tat auch extremst peinlich, dieses Buch im Regal stehen zu haben.

Ein weiterer Weg an Bücher zu gelangen ist, welche geschenkt zu bekommen.
Wenn sie auf einer WuLi standen, ist die Gefahr gering, dass es sich um Mist handelt. Allerdings passiert es eben auch, dass man Spontan-Geschenke bekommt, die sich dann als fürchterlich entpuppen. So war es mit dem Buch: „Hundeerziehung ohne Zwang“ von Dr. Tillmann Klinkenberg. Wohlmeinende Menschen brachten es mit, weil der Titel ja erst einmal durchaus positiv klingt. Welch ein fataler Irrtum…
Im Inneren zeigt sich dann, welch unglaubliche Ratschläge der Autor bereithält. So empfiehlt er unter der Überschrift „Herstellen der Rangordnung“ allen Ernstes eine 5-Punkte-Prozedur, die das Fixieren des Hundes – möglichst mit Stachelhalsband – und „gezielte kräftige Hiebe“ mit der vorher bereit gelegten „ausreichend kräftigen Gerte“ zum Inhalt hat. Falls es jemand bis dahin noch nicht verstanden hat erklärt er später „Es geht hierbei nicht ohne Schmerz (…) Sie müssen daher der Größe des Tieres entsprechend zuschlagen.“ Und das sind längst nicht alle Sauereien, die sich hier zwischen zwei Buchdeckeln verbergen.

Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte!

Man kann eigentlich nur hoffen, dass sich nicht allzu viele Leute von dem Titel verlocken lassen, für dieses fürchterliche Buch Geld ausgeben und dann schlimmstenfalls noch solchen brutalen und hirnlosen Methoden nacheifern.

Den Beitrag heute beende ich mit zwei Zitaten, die mir im Gegensatz zu den heute hier erwähnten Büchern gut gefallen:

„Die Größe einer Nation lässt sich daran bemessen, wie sie ihre Tiere behandelt“
(Mahatma Ghandi, 1869 – 1948)

„Wer Tiere quält, ist unbeseelt, und Gottes guter Geist ihm fehlt;
mag noch so vornehm drein er schauen, man sollte niemals ihm vertrauen.“
(Johann Wolfgang von Goethe, 1749 – 1832)

In diesem Sinne, habt eine schöne Zeit!

Kommentare

  1. Ich vermute fast, dass Bücher, welche lediglich durch einen narkotisierten Lektor in den Druck gegangen sind, keine andere Möglichkeit besitzen als in Bahnhofsbüchereien abgesetzt zu werden. Hier wird die Notlage der Reisenden eindeutig minimal ausgekostet, um Fehlinvestitionen aufzufangen :p

    Aber das „Erziehungsbuch“ mit einem solch in die Irre führenden Titel zu garnieren …mir ist schlecht. Prinzipiell bin ich kein Befürworter von Verboten, aber derartige Druckerzeugnisse sollten doch umgehend flächendeckend vom Markt verbandt werden. Ein ähnlicher Etikettenschwindel ereilte mich einst beim Nachkommen einer Hundeschulempfehlung, nicht mit solch krassem Ausmaß (zum Glück für Hundetrainer und bezüglich etwaiger gerichtlicher Konsequenzen) dennoch mit Methoden (niederschmeißen, über dem Tier aufbauen und brüllen, was das Zeug hält), die uns fluchtartig wie lauthals Schimpfend das Gelände verlassen ließen. Dass Sadisten ihre Neigungen nicht einfach in einstimmiger Zweisamkeit ausüben können, sondern ihre „Thesen“ literarisch oder pädagogisch unter unbeteiligte Menschen und Tiere bringen dürfen – ich finds traurig, erschreckend und es macht verdammt wütend.

    • Silke meint::

      Ja, so geht es mir auch. An dieser Stelle wünsche ich mir ein bißchen weniger „Freiheit ist die Freiheit der anders denkenden“. Denn „anders“ kann auch ziemlich schlimm sein. Wir haben übrigens auch mal eine so ähnliche Hundeschule erlebt – ganz am Anfang: „Wenn Ihr Eurem Hund abgewöhnen wollt, sich etwas vom Tisch zu klauen, dann stellt doch einfach mal ne Mausefalle drauf“. Da waren wir dann auch ganz schnell wieder weg.

      Der narkotisierte Lektor ist ein schönes Bild – und erklärt vieles…

  2. Ein schöner Artikel Sogar mit einem Goethe-Zitat – was will MANN mehr. Und dieses Hunde-Buch – der Typ sollte uns mal beim Spazierengehen begegnen. Und Holmes sollte dann schlechte Laune haben …

  3. Schlimm, dass immer noch solche Erziehungsmethoden empfohlen werden. Man sollte doch meinen, dass so was irgendwann mal aufhört, aber das ist wohl zu optimistisch gedacht. :-(
    Und diesem Typen mit der Mausefalle wünsche ich, dass ihm mal jemand so eine in die Jackentasche steckt. Oder noch woanders hin, aber ich will jetzt nicht zu fies werden.

    • Silke meint::

      Och, in diesem Fall ist „fies werden“ durchaus angebracht – würde ich sagen!

      Ob diese Art Leute wohl auch ihre Kinder auspeitschen oder ihnen ihre Neugier mit Mausefallen austreiben würden?
      Es ist manchmal echt zum verzweifeln…

  4. Gut, dass du das Buch „Hundeerziehung ohne Zwang“ von Dr. Tillmann Klinkenberg an den Pranger stellst. Schon der Titel ist ja eine bewusste Irreführung, eine Lüge, aber vielleicht denkt dieser Typ ja, solange er den Hund nicht dreiviertel totprügelt, ist er noch liebevoll zu dem Tier. Kann man da nicht Anzeige erstatten? Wegen Aufforderung zur Tierquälerei?

    Jerry Cotton Hefte habe ich als Fast-Food-Lektüre früher gerne gelesen, inzwischen sind sie mir zu brutal…

    Und bei :

    „Die Größe einer Nation lässt sich daran bemessen, wie sie ihre Tiere behandelt“
    (Mahatma Ghandi, 1869 – 1948)

    denke ich, dass fast alle Nationen dabei schlecht abschneiden würden.

    Jemand hat doch auch geschrieben (war das Tolstoi?) : Solange es Schlachthöfe gibt, wird es Kriege geben…
    Auch das ist bestimmt wahr…

    • Silke meint::

      Ich kann diese Art Leute nicht verstehen und ich glaube, ich will es auch gar nicht. Allerdings fürchte ich, dass sie immer irgendeine Lücke finden – auch in den bestehenden Gesetzen – die ihnen unter bestimmten Umständen die seltsamsten Dinge erlauben. Stachelhalsbänder sind ja auch (noch) nicht verboten…
      Manchmal ist es zum verzweifeln…

  5. Zitat: Solange es Schlachthöfe gibt, wird es Kriege geben…
    Das ist ein sehr, sehr guter Vergleich! Wenn es Tolstoi war, der dies sagte, sei ihm „Krieg und Frieden“ dafür verziehen

  6. Sehr schöner Blogartikel!

    Zu den Erziehungsmethoden fehlen mir ehrlich gesagt die Worte…

    LG Sandra

    • Silke meint::

      Hallo Sandra,
      Herzlich Willkommen und danke fürs Kompliment!

      Tja, Methoden sind das, aber mit Erziehung haben sie kaum etwas zu tun, würde ich sagen. Und sprachlos war ich auch eine ganze Weile…

      LG
      Silke

  7. @Ralph
    Ich habe mal gegoogelt: Es war tatsächlich Leo Tolstoi, der diesen Vergleich gebracht hat, nur die Wortwahl ist etwas anders:

    Solange es Schlachthäuser gibt, solange wird es Schlachtfelder geben.

    Was aber natürlich das gleiche beinhaltet.

  8. FBI meint::

    „Hundeerziehung ohne Zwang“, der Titel klingt vielversprechend, Deiner Beurteilung nach aber inhaltlich wohl komplett am Thema vorbei. Wir haben ja auch schon eine Hundeschule der „etwas anderen Art“ kennengelernt.

    Hast Du das Buch gleich vernichtet? Wenn nicht, dann leih es mir doch bitte mal.

    • Silke meint::

      Warum habe ich bloß diese ganzen Kommentare gar nicht angezeigt bekommen, als ich unterwegs war??

      Seltsam.
      Aaaalso: In dem Buch gibt es noch mehr von diesen völlig am Thema vorbei gehenden Ratschlägen und deshalb ist es durchaus vernichtenswert. Wir könnten im Winter damit den Kamin anheizen…
      Bisher hab ich es allerdings noch nicht verbrannt. Es kann also (noch) als schlechtes Beispiel dienen, oder als Brechmittel, je nach Bedarf.

      • FBI meint::

        Dann bitte ich darum, es mir doch am Montag mitzubringen. Bis zum Winter habt Ihr es wieder und wir können es gemeinsam im neu gestalteten Wohnzimmer (Neugier!!!) im Kamin bei lecker Essen verbrennen!!!!!!!!!

        • Silke meint::

          Das FBI ist die einzige Institution, an die ich dieses unmögliche Buch zwecks erkennungsdienstlicher Behandlung und anschließender lebenslänglicher Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung weitergeben würde.
          Aber mit dem lecker essen müssen wir ja nicht bis zum Winter warten, oder?

          Liebe Grüße an alle zwei- und vierbeinigen!

          • FBI meint::

            An dieser Stelle vielen Dank für das in unsere Institution gesetzte Vertrauen! Ich hoffe doch, dass wir nicht bis zum Winter warten müssen. Wir sollen zz einen Termin planen.
            LG an die Herren und die Dame.

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