Enzo. Die Kunst, ein Mensch zu sein – 52 Bücher

40. Woche

In der 40. Woche von Fellmonsterchens Projekt 52 Bücher geht es auf Vorschlag von Steffi um folgendes:

„Dein Hass-Charakter (im Sinne von: unnachvollziehbare Handlungen)“

Da ich gerne richtig fiese Thriller lese, in denen es von Psychopathen nur so wimmelt, habe ich reichlich Auswahl für dieses Motto in den Regalen. Denn Handlungen von Psychopathen, so logisch diese für sie selbst sein mögen, kann man von außen nun wirklich kaum nachvollziehen. Ich habe also zuerst überlegt, ob ich einen der Charaktere von Dean Koontz wähle. Der versteht sich nämlich besonders gut auf die Beschreibung  geradezu unglaublich widerlicher Typen. Aber weil Dean Koontz, bzw. eine seiner wirklich wunderbaren Schöpfungen noch später in diesem Projekt einen Auftritt haben soll, habe ich mich dann doch anders entschieden.

Und das hier ist es also: „Enzo. Die Kunst, ein Mensch zu sein“. Geschrieben von Garth Stein. Enzo ist ein Hund, der eine Geschichte erzählt. Er lebt, beobachtet und kommentiert sein Leben und das seiner Familie, seines Rennfahrer-Herrchens. Und er versucht all das, was er erlebt, so gut wie möglich zu verstehen, weil er glaubt, irgendwann als Mensch wiedergeboren zu werden.

Es ist ein Buch, in dem man erst einmal gar nichts unglaublich Böses erwartet. Eher im Gegenteil rechnet man mit einer Geschichte der Art „Wunderbare Freundschaft zwischen Mensch und Hund“. Und das ist die Geschichte auch. Aber das ist eben bei weitem nicht alles. Man ahnt auch, dass etwas Schlimmes passieren wird, denn das Leben des menschlichen Protagonisten „gerät aus den Fugen“, liest man auf der Rückseite. Und innen im Klappentext ist gar die Rede von einem zerstörerischen Schicksalsschlag.

Was dann wirklich passiert ist so …, dass mir einfach kein passendes Wort einfällt. Kein Adjektiv scheint mir passend beschreiben zu können, was Denny widerfährt. Selten habe ich beim Lesen eines Buches einen solch tiefen und finsteren Groll entwickelt. Es ist ja nur ein Buch, aber trotzdem. Der Typ, der hier der Hass-Charakter ist, heißt Maxwell und ist Dennys Schwiegervater. Es ist einfach nicht zu fassen, was dieses Schwein tut. Und ich hasse ihn sehr dafür! So richtig, richtig heftig! Das schlimme dabei ist, dass dies hier zwar nur eine Geschichte ist, solcherlei aber wahrscheinlich leider auch tatsächlich passiert. Wenn auch vielleicht nicht in diesem Ausmaß, aber man weiß es ja nie so genau.

Es ist ein Buch, das ich nicht lesen konnte, ohne Taschentücher in der Nähe zu haben. Wenn man also wie ich nah am Wasser gebaut hat, braucht man ab und zu einen Verschnaufpause. Der Hass-Charakter darin bleibt bis zum Schluss böse, erfährt also keine erstaunliche Wandlung, was auch irgendwie nicht glaubhaft wäre. Aber auch mit diesem unglaublich bösartigen Menschen darin, und vielen sehr traurigen Passagen, ist es dennoch ein tolles Buch, das ich sicher auch nochmal wieder lesen werde.

Ab damit auf den NLS…

Kommentare

  1. In der Regel mache ich ja einen Bogen um Bücher, die aus der Sicht von Tieren geschrieben wurden. Aus unerfindlichen Gründen spreche ihnen eine gewisse Ernsthaftigkeit ab oder zweifel an dem Stilmittel an sich, wenn es nicht gerade aus der Märchenwelt kommt – also ausdrücklicher Bezugspunkt ist hierbei wahrscheinlich vor allem das Katzenkrimi-Genre, was meinen Argwohn erregt – vielleicht verleugne ich dabei aber auch lediglich eine Seite, die ich an mir selbst nicht so wahr haben will, schließlich kommentiere ich auch oftmals beklopptes Verhalten meiner eigenen Tiere aus deren vermuteter Sichtweise, um ihren kruden Gedankengängen auf die Schliche zu kommen.
    Aber mal ganz abgesehen von dieser wirren Selbstanalyse, die du da nun angeregt hast, muss ich dir nun vorwerfen, ausgesprochen erfolgreich geteasert zu haben.
    Toll!
    Nun muss ich mich mit mir selbst auseinandersetzen und einen Hunderoman lesen! Entgegen jeder Vereinbarungen mit meiner Person. (tollet smilie )
    Aber ich muss doch rausfinden, was diesen Hass-Charakter so aufwühlend macht …da das Wuff Erzähler ist, geh ich mal wenigstens ganz stark von aus, dass er zumindest kein Tiermörder ist (da kann ich Realität & Fiktion ganz schlecht auseinanderhalten und muss selbst gute Filme pausieren oder wegschalten…. noch eine merkwürdige Eigenschaft, da solcherlei Szenen gern in Krimis vorkommen, wo ja auch Menschen gemeuchelt werden. Und obwohl ich ursprünglich nicht zu den misanthropen Tierfreunden gehöre, geht mir der Tod jener Schutzlosen, meist ursprünglich nicht in etwaige Sachverhalte Involvierten ungleich näher ….noch eine gern ausgeblendete, erschreckende Seite? Montag-Morgen-Derangement… )

    • Silke meint::


      Hihi, lustig. Ich kann Deine Gedanken nachvollziehen. Obwohl ich selbst durchaus auch Katzenkrimis lese (die Felidae-Romane zum Beispiel) kommt mir dieser innerliche Widerwille irgendwie bekannt vor.
      Aber ich glaube Du kannst das Buch bedenkenlos lesen. Es ist „anders“. Und ja, da zumindest kann ich Dich beruhigen, ein Tiermörder ist der Maxwell nicht. Sowas kann ich auch überhaupt gar nicht aushalten. Es ist wohl tatsächlich dieses Schutzlosen- und Unbeteiligten-Ding, das einen da in solch hilflose Trauer fallen lässt, wenn einem Tier böses widerfährt.
      Liebe Grüße in den Dienstag!

  2. Den Roman kenne ich und was die Schwiegereltern angeht *gr*. Aber an sich habe ich es wie DillEmma auch nicht so mit dieser Art von Romanen, in denen die Menschen die eigentlichen Protagonisten sind und der Gang von ihren tierischen Begleitern erzählt und kommentiert wird. Mir werden die Tiere regelmäßig ZU SEHR Mensch dabei und das ging mir auch mit Enzo so.

    Dennoch bin ich noch einmal von dieser „Linie“ abgewichen und habe „Bernie & Chet“ von Spencer Quinn gelesen – und zwar nur aus Neugierde, weil ich die Echo-Falls-Reihe dieses Autors unter dem Namen Peter Abrahams so gern mochte. Auch dort wird aus Sicht des Hundes Chet erzählt und ihm werden auch menschliche Gedankengänge und Emotionen unterstellt, aber, wie soll ich es sagen – anders als in Enzo, direkter und mehr verbunden mit seinen Bedürfnissen als Hund, etwa wenn die Handlung um Bernie „abbricht“, weil der erzählende Chet von irgendwas abgelenkt wird. Das gefiel mir vom Ansatz und der Erzählung her mehr als „Enzo“. Einen kleinen Leseprobenauszug gibt es hier bei amazon: http://www.amazon.de/Bernie-Chet-Hundekrimi-Spencer-Quinn/dp/3764530707/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1344758941&sr=1-3

    • Silke meint::

      Da werde ich mal reinlesen, denn das klingt so wie Du es beschreibst durchaus verlockend.
      Es ist schon so, da gebe ich Dir recht, dass mitunter von Autoren eher krampfhaft versucht wird, Tieren eine Stimme zu verleihen, und dies dann auch völlig an ihren natürlichen Verhaltensweisen und vermutlichen Gedanken (von denen wir allerdings ja auch nicht so sehr viel wissen) vorbei. DAS mag ich auch nicht. Und vor allem dann nicht, wenn dabei auch noch eine sehr beliebige, um nicht zu sagen überflüssige, Geschichte erzählt wird.

      Bei Enzo war es mir eigentlich egal. Denn was dieses Buch eigentlich (für mich) ausmachte, war diese Geschichte (um die es hautsächlich geht, und eben eigentlich nicht um den Hund) aus einer Perspektive erzählt zu bekommen, die einmal mehr und noch deutlicher zeigt, wie völlig irrsinnig das Ganze ist. Betrachtet, aus einer „unschuldigen“, das ganze Trara gar nicht verstehen könnenden Sicht. Es könnte hier auch ein beliebig anderes Tier oder ein Marsmensch der Erzähler sein, denn darum geht es hier ja gar nicht, den Erzähler in seiner Wesenheit vorzustellen. Allenfalls ist das der vordergründige Teil der Geschichte. Zumindest habe ich das so empfunden.

      Was dann aber doch den Hund in Enzo zum Vorschein kommen lässt, ist die Episode mit der Giraffe, oder war es ein Zebra? Weiß ich gerade nicht mehr so genau. Aber da habe ich schon sehr schmunzeln müssen. Denn DAS kenne ich nun von Hunden tatsächlich, dass sie mitunter zu von außen kaum nachvollziehbaren Seltsamkeiten neigen. So zum Beispiel, wenn Holmes sich mal wieder massiv über unsere Mülltonne aufregt, nur weil sie einfach da steht, wo sie sonst nicht steht.

  3. ja, die geschichte in enzo lässt die erzählsperspektive „zurücktreten“

Sitz! und gib Laut:

Bitte frei Schnauze - keine Pfote vor die selbige nehmen!

Rechtschreibfähler werden hier freundlich icknoriert und wechgewedelt!

*

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