„Orthopädie“ oder „Die Auflösung des Sonntags-Rätsels“

Ding 1 – 8

Das war echt spannend: Orthesen, Prothesen, Rollwagen und anderes werden nicht nur für Menschen sondern auch für Hunde und Katzen hergestellt. Darüber haben wir (vier angehende und drei bereits praktizierende Tierphysiotherapeuten) viel gelernt in dem Tagesseminar am vergangenen Samstag. Wie ganz vielen Vierbeinern mit unterschiedlichsten Problemen schon geholfen werden konnte, ist wirklich sehr beeindruckend. Die Hilfsmittel werden bei „Tante Emma“ individuell hergestellt und genau auf die Bedürfnisse der Patienten angepasst.

In dem Seminar haben wir nicht nur theoretisch viele Möglichkeiten des sinnvollen Einsatzes dieser Hilfsmittel kennengelernt und Fälle besprochen. Es waren auch Hunde da, die Unterstützung brauchten. In einem Fall handelte es sich um eine vierjährige Hündin mit amputiertem Hinterbein. Die Halterin wollte eigentlich gerne eine Prothese anfertigen lassen. Nach der Untersuchung stellte sich das aber leider als in diesem Fall nicht möglich heraus. Es wurde dann eine Entlastungsorthese für das verbliebene Hinterbein empfohlen, damit dort im weiteren Verlauf keine Überlastungsschäden entstehen.

In unserem Praxisteil haben wir geübt, einen Gipsabdruck zu machen, aus dem dann später zum Beispiel eine Orthese oder ein Pfotenschuh hergestellt werden kann. Hier arbeiten Tierphysiotherapeut und Hersteller der Hilfsmittel nämlich Hand in Hand. Der Tierphysiotherapeut nimmt die Maße des Tieres auf und erstellt den Abdruck, und der Orthopäde fertigt die Orthese an. Und dazu haben wir die „Dinge“ aus dem Sonntags-Rätsel verwendet.

Hier nun also die Auflösung:

Zuerst wird Ding Nr. 2 oder Ding Nr. 3 (Kunststoffstreifen bzw. Kunststoffschlauch) mit Melkfett (Ding Nr. 9) eingerieben.

Dann wird die betroffene Gliedmaße des Tieres in Frischhaltefolie (Ding Nr. 10) eingewickelt. Das wird gemacht, damit der Gips nachher nicht in den Haaren des Tieres festklebt und diese beim Ablösen herausreißt.

Nun wird der Kunststoffstreifen oder –schlauch der Länge nach außen auf die folienumwickelte Gliedmaße gelegt und von einem Helfer (davon braucht man mindestens einen!) festgehalten.

Anschließend wird eine Gipsbinde (Ding Nr. 1) in lauwarmes Wasser getunkt und es wird dann die Gliedmaße von oben nach unten umwickelt (ungefähr zwei-lagig). Dann wird die Gipsmasse „anmodelliert“, wobei die Gliedmaße dabei so gehalten wird, wie sie nachher auch durch die Orthese gestützt werden soll (zum Beispiel in einer bestimmten Winkelung usw.). Der Gips zieht relativ schnell an. Der Kunststoffstreifen muss auch gut ausmodelliert werden. Er bildet nämlich später den Tunnel, durch den der Gips aufgeschnitten wird.

Wenn die Masse eine gewisse Festigkeit erreicht hat (das ist innerhalb weniger Minuten der Fall), wird der Kunststoffstreifen bzw. –schlauch herausgezogen. Durch den so entstandenen Tunnel wird mit der Gipsschere (Ding Nr. 4) der Gips aufgeschnitten. Vorher – das ist wichtig! – werden mit Ding Nr. 5 (dem Kopierstift) quer über den Tunnel Linien gezogen. Diese helfen später, den aufgeschnittenen Gips in der richtigen Position wieder zusammenzudrücken.

Nach dem Aufschneiden wird der Gips ganz vorsichtig von Tier abgelöst, die Frischhaltefolie herausgezuppelt und dann wird die Form sanft wieder zusammengedrückt, so dass die vorher angebrachten Hilfslinien genau gegenüber liegen. Dann darf der Abdruck aushärten.

Fehlen noch Ding Nr. 6, 7 und 8. Die werden genaugenommen vor Erstellung des Abdrucks benötigt.

Nr. 6 ist ein Winkelmesser, mit dem man den genauen Winkel eines Gelenks im Sollzustand ermittelt. Dieser Winkel muss beim Erstellen des Gipsabdruckes beachtet werden. Man nimmt den Abdruck ja am liegenden Tier. Dennoch muss der Winkel so sein, wie er nachher auch am stehenden bzw. laufenden Tier gewollt ist.

Mit Ding Nr. 7 (Schieblehre, oder neudeutsch auch „Mess-Schieber“) und Ding Nr. 8 (Maßband) werden an bestimmten definierten Stellen Umfang und Länge der Gliedmaße und Gelenke, Abstände zwischen den Gelenken, Gelenkbreite, Pfotenbreite und verschiedenes mehr gemessen.

Tja, gerade das Gipsen sah eigentlich nicht so schwierig aus, aber dann ist es eben doch ungefähr so kompliziert, wie es sich anhört. Man darf den Kunststoffstreifen nicht vergessen, sonst wird das Aufschneiden schwierig. Das ist sowieso schwierig, weil man ja dem Wauzel schließlich nicht weh tun will. Man muss mit dieser blöden Folie hantieren lernen, ohne dass sie sich verknubbelt, man muss gleichzeitig mit dem Winkelmesser die korrekte Gelenkstellung feststellen, den Hund ruhig halten und den Gips modellieren können. Die Gipsbinde darf nicht zu fest aber auch nicht zu locker gebunden werden, und, und, und.

Ganz bestimmt brauche ich noch einiges an Übung, bis ich einen tatsächlich brauchbaren Abdruck erstellen kann. Ich hätte mir noch mindestens ein zweites Paar Hände gewünscht, dabei hatte ich schon das Glück, meinen allerersten Versuch an einem sehr ruhigen Hund vornehmen zu dürfen. Hier ist er. Also, der Abdruck, nicht der Hund ;-) . Er ist vom Hinterlauf eines Dackels von knapp über dem Sprunggelenk an abwärts, allerdings ohne geschlossene Pfote, und die Winkelung stimmt auch nicht *grummel*

Aller Anfang ist schwer…

 

Es hat ja jetzt wohl niemand gelacht, oder???

Mal sehen, was Mona und Holmes von der Prozedur halten. Sie werden natürlich demnächst auch mal Versuchskaninchen sein, für einen Abdruck.

 

 

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Kommentare

  1. Nochmal Text,weil ich das Anti Spam Wort vergessen hattehttp://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_unsure.gif

    Und…ich hab gerade gelachthttp://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif

    LG Mathildahttp://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gifhttp://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif

  2. Prothesen für Hunde – heissen die Orthesen?
    Heute habe ich einen dreibeinigen Hund gesehen, dem das linke Vorderbein fehlte. Aber er hüpfte trotzdem ganz frohgemut durch die Gegend – jedenfalls sah es so aus…ob ihm wirklich froh zumute war weiss man ja nicht…
    Treten in solch einem Fall auch Überlastungsschäden auf?

    Es war wirklich ein sehr schwieriges Rätsel, eben eines für Expertinnen…http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yes.gif

    • Hallo Sica, sorry erstmal, dass ich so spät antworte.
      Nein, Orthesen sind etwas anderes als Prothesen. Prothesen ersetzen ein fehlendes Körperteil und Orthesen unterstützen ein vorhandenes Körperteil, z.B. wenn die Funktion eingeschränkt ist.
      Tiere gewöhnen sich sehr schnell daran, wenn ihnen ein Körperteil fehlt, und sie kommen damit i.d.R. gut klar. Aber definitiv liegt dann auf den noch verbleibenden Beinen eine höhere Belastung als vorher. Das kann – wie auch bei Menschen, denen ein Körperteil fehlt – zu Fehlhaltungen führen, und damit zu Verspannungen, Muskelverkürzungen, Gelenkproblemen wie z.B. Arthrosen usw.
      LG Silke

  3. Danke, Silke, bei Dir lerne ich immer etwas dazu…
    Dass Du voll im Stress stehst, kann ich mir vorstellen. Deine Arbeit, die Ausbildung und dann noch die Hunde und der Haushalt.

    Wobei ich aber denke, dass die Arbeit im Haushalt und das Ausführen der Hunde – von zwei Personen geleistet wird.

Sitz! und gib Laut:

Bitte frei Schnauze - keine Pfote vor die selbige nehmen!

Rechtschreibfähler werden hier freundlich icknoriert und wechgewedelt!

*

*
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