Landseer-Erziehung II „Positive Verstärkung“

wauzelwelt80x80_Ganz viel über Theorie will ich hier nicht schreiben. Ich denke die Suchenden, welche mit Hilfe solcher Begriffe wie „Landseer-Erziehung“, „Erziehung Landseer“, Landseer macht was er will“ oder „Landseer dickköpfig?“ in unserer Wauzelwelt landen, sind eher an praktischen Ratschlägen interessiert. Trotzdem. Ein klein wenig Basiswissen muss einfach sein. Und am Beispiel „Klickern“, eine der zurzeit sehr beliebten Methoden, dem Wauzel etwas beizubringen, kann man einfach wunderbar beschreiben, „wie das alles funktioniert“, mit der positiven Verstärkung.

Hier also die Theorie in ganz kurzer Kurzform: Dem aufmerksamen und auf Arbeit eingestellten Hund wird in dem Moment, in dem er ein erwünschtes Verhalten zeigt, durch einen „Klick“ bestätigt, dass dies das korrekte Verhalten war. Anschließend erhält er etwas sehr, sehr Leckeres. Wer nicht klickert, verwendet stattdessen z.B. ein bestimmtes „Markerwort“, zum Beispiel „fein“ oder „jepp“. Geht ebenso gut, ist aber nicht ganz so modern. Hund lernt, dass ein „Klick“ oder das „Markerwort“ immer etwas sehr, sehr Leckeres bedeutet. Also wird er sich bemühen, sein Verhalten so einzurichten, dass es einen „Klick“ und damit etwas sehr, sehr leckeres gibt. Das von ihm gezeigte Verhalten wird also durch „Klick“ und „Leckerlie“ positiv verstärkt. Einfach, oder?

Beim Klickern gibt es IMMER etwas sehr, sehr Leckeres. Diese sogenannte positive Verstärkung kann aber auch durch eine andere Belohnung erzeugt werden. Zum Beispiel durch Spiel, Spaß, positiven Körperkontakt (Durchknuddeln) oder ähnliches. Eben etwas, was der Hund toll findet.

Soviel in Kurzform zur Theorie.
Jetzt aber zu der wichtigen Frage: Wie funktioniert dies nun beim Landseer?

Zunächst ist ein wenig Vorarbeit nötig: Euer Landseer (oder jeder andere ähnlich veranlagte Hund) wird erst einmal versuchen herauszufinden, wie er Eure Aufmerksamkeit gewinnt. Das lernt er ganz schnell. Und er wird unendlich viele Möglichkeiten finden, glaubt es mir.
Eine der ganz wichtigen Methoden ist effektvolle Mimik. Was Holmes schon als ganz kleiner Welpe gelernt hat ist, dass seine Menschen seine vielen verschiedenen Gesichtsausdrücke total süß und drollig finden. Dann hat er eine Weile herumprobiert, welche Mimik am wirkungsvollsten ist, und hat sich dann irgendwann für zwei Klassiker entschieden: „Niedlich gucken“ und „Traurig gucken“.
Damit kriegt er seine Menschen. Immer.

Ist die Aufmerksamkeit des Menschen erst einmal gewonnen, ist der erste Schritt getan. Alles nun Folgende wird häufig als „Shaping“ bezeichnet, das Formen eines Verhaltens.
Für den Landseer bedeutet dies, er wartet auf den Zeitpunkt, zu dem der Mensch genau das macht, was der Landseer will. Und wenn er das dann endlich tut, folgt sofort die Belohnung. Was als Belohnung seines Menschen individuell geeignet ist, findet der Landseer in intensiven Studien im Laufe seines Hundelebens heraus. Dabei verfeinert er im Laufe der Zeit die verschiedenen Belohnungsmöglichkeiten und -stärken, um auch ein noch nicht perfektes Verhalten seines Menschen angemessen würdigen und in die richtige Richtung lenken zu können.

So gelingt es zum Beispiel Holmes, mit einfachen Mitteln und einem gründlich durchdachten Belohnungsverfahren, seinen Menschen das Reagieren auf Spielaufforderungen zu vermitteln.

Phase 1 „Aufmerksamkeit wecken“

Anschleppen eines Latschen, herumlaufen mit dem Latschen, manchmal fallen lassen des Latschen, bedröppelt aus der Wäsche gucken, traurigen Blick aufsetzen, den Latschen mit der Nase anstubsen und ein ganz klein wenig auf dem Boden entlang schieben, abwenden vom Latschen, lautes seufzen anstimmen, noch traurigeren Blick aufsetzen, Frauchen intensiv traurig anschauen

Phase 2 „Shaping“

Frauchen: „Och Du armer Wauz, was hast Du denn? Komm mal her!“
Holmes: ‚Nääää, will nicht herkommen, darum geht es nicht, Du kapierst es wieder mal nicht!‘  keine Reaktion, traurigen Blick vertiefen, zum Latschen schauen und zu Frauchen zurückschauen
Frauchen: „Na komm, kriegst ein paar Streicheleinheiten!“
Holmes: ‚Will keine Streicheleinheiten, will spielen!‘  den Latschen holen und vor Frauchens Füße werfen, Frauchen anschauen, kurz Lächeln, dann wieder traurig schauen
Frauchen: „Ist Dir langweilig? Wollen wir mal den Latschen verstecken? Willst Du ihn suchen?“ steht vom Sofa auf, nimmt den Latschen und macht sich zu einer Versteckrunde bereit

Jetzt schließt sich sofort Phase 3 an:

Phase 3 „Belohnung“

Holmes reagiert augenblicklich auf Frauchens korrektes Verhalten. Dies ist sehr wichtig, denn zwischen dem gezeigten gewünschten Verhalten und der Belohnung desselben darf nicht viel Zeit vergehen! Holmes belohnt Frauchen in abgestuften Varianten. Heute hat Frauchen schnell verstanden worum es geht, deshalb gibt es eine besonders tolle Belohnung: Holmes springt hocherfreut ein kleines bisschen in die Höhe (die Alternative zum „Juchhu“ schreien), wedelt einmal sehr kräftig, und setzt sich dann sofort perfekt neben Frauchen, himmelt sie mit superniedlichem, lächelnden Blick an und wartet gespannt aber geduldig auf den Augenblick, in dem Frauchen den Latschen versteckt hat und ihn zum Suchen schickt.

Frauchen schmilzt dahin und denkt: „Oh Mann, ist das nicht ein toller, lieber Hund? Hach irgendwie bin ich ja verliebt in ihn. Und wie er hier neben mir sitzt: Aufmerksam, Lernbereit, einfach ein Traum, oder?“  („Höhö“ denkt der Landseer, „Es ist wirklich leicht, Menschen zu belohnen“)

So einfach ist also die Erziehung mittels positiver Verstärkung. Noch Fragen?

Wie wecken denn Eure Hunde Eure Aufmerksamkeit? Und wie belohnen sie Euch? (Ich frage das im Auftrag von Mona und Holmes, die sich auf diesem Gebiet noch ein wenig weiterbilden wollen – als ob DIE das nötig hätten, pffffft…)

Kommentare

  1. Das machen Kleine Münsterländer nicht vile anders. http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif Die „Latschen-Geschichte“ kenne ich 1:1, nur dass es bei unserer Ronja kein Latschen sondern ein altes Plüschtier der Kinder war. Sie hatte das Menschenkonditionieren supergut drauf, wir waren in kürzester Zeit perfekt abgerichtet. http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yes.gif

    Liebe Grüße an euch und ein paar dicke Knuddler für die Wauzels, Szintilla

    • Ja, die Wauzels haben uns schon gut im Griff – manchmal hat man den Eindruck, dass sie über all diese Mechanismen viel mehr wissen, als wir… http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif
      Liebe Grüße zurück! http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif

  2. Liebe Mona, lieber Holmes,
    traugrig gucken und seufzen hilft bei Euch schon, man, manche Zweibeiner sind schon leicht zu erziehen. Ich muss da schon stärkere Geschütze auffahren. Mit einem Satz Sofakissen auf der Couch klauen und heftig tot schütteln wirkt am besten, wenn Gläser auf dem Couchtisch stehen. Solltest mal sehen wie schnell Zweibeiner auf den Füssen ist, das klappt immer, sofort.
    Warum sollte ich mich für einen Klick oder ein Markerwort bemühen, völlig unnötig. Hinstellen und heulen wie ein Wolf so richtig schön laut, damit es auch die Nachbarn hören und Zweibein eilt in die Küche um ein getrocknetes Hasenohr zu holen.
    Ich denke von mir könntet Ihr noch einiges lernen *gg*.
    LG Mika

    • Hi Mika,
      Du hast ja geniale Ideen. Respekt! http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif
      Heulen, so dass es die Nachbarn hören ist großartig. Das machen wir manchmal morgens, wenn es zu lange dauert, bis die Zweibeiner aus dem Bad kommen. Allerdings reagieren unsere Zweibeiner nicht immer zuverlässig darauf. Manchmal lassen sie uns einfach noch ne Weile weitersingen… Uglaublich oder?
      Aber immerhin schreibt zumindest SIE manchmal in unserem Auftrag hier auf unser Seite einen Kommentar. Das kriegen wir mit unseren Pfoten nämlich nicht so gut hin.
      Wuff und Grüße von Mona und Holmes (die ihr Zweibein für sich tippen lassen)

  3. Bernstein meint::

    Hi Mona und hi Herr Holmes,

    also ich bin zwar noch ein Jungspund habe mir aber von Onkel Bandit und Tante Kara schon den ein oder anderen Trick beibringen lassen. Derzeit versuche ich noch meine eigene Linie, meine eigene Pfotenschrift zu entwicklen. Herrchen ist ja relativ leicht dazu zu bewegen mit mir zu spielen. Da muss ich meistens nur anstupsen. Stellt Herrchen sich aber taub, gibt es ein unschlagbares Mittel; ich zieh ihm die Socken aus und renn dann damit weg und schon mein Herrchen hinter mir her…. http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif Tante Kara ist da wesentlicher direkter; wenn die mal geknuddelt werden will haut sie solange mit der Pfote auf Frauchens oder Herrchens Oberschenkel bis die gewünschte Knuddeleinheit startet.http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/schlabber.gif

    • Silke meint::

      Huhu Bernstein,
      Mona und Holmes lassen ausrichten, dass sie das mit den Socken eine hervorragende Idee finden – sie wollen das jetzt auch mal ausprobieren. Zumindest, wenn sich die Latschen gerade nicht anfinden… http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif
      Und was man sich alles von einem „guten“ Vorbild abgucken kann, naja, da könnte Mona auch einige Geschichten erzählen. Aber es ist eine gute Idee, die eigenen Tricks zu entwickeln. Man muss seine Zweibeiner ja auch mit Dingen überraschen können, die sie noch gar nicht kennen….http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif

Sitz! und gib Laut:

Bitte frei Schnauze - keine Pfote vor die selbige nehmen!

Rechtschreibfähler werden hier freundlich icknoriert und wechgewedelt!

*

*
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