52 Bücher: Über Autoren und Schriftsteller

Da huldige ich doch lieber!

Da huldige ich doch lieber!

Heute begehe ich (mal wieder) eine Ungeheuerlichkeit – diesmal widerspreche ich der Weltherrscherin i. L. Das könnte sich zwar in naher oder ferner Zukunft als kontraproduktiv erweisen, doch mein zweiter Vorname lautete noch nie Vernunft. Aber warum mache ich so etwas? Schuld daran ist Frau DillEmma, die ihrem Namen somit erneut zur Ehre gereicht. Denn das Thema dieser Woche stammt von ihr und lautet: Diese Rezension! (…ist so viel kunstvoller als das Buch *schmacht* / …hat ja wohl den Popo offen! Man sollte sie verbuddeln! Mit’m Gesicht nach unten und überhaupt! /  …hat mich vor dem Bösen bewahrt / …hat mir den Weg in den Lesehimmel gewiesen).

So, nun fange ich auch an, die Überschrift und meinen ersten Satz in dieses Post einzuarbeiten. Die Rezension definiert die Bibel der deutschen Sprache wie folgt:

Besprechung, Beurteilung, Buchbesprechung, Einschätzung, Kritik, [kritische] Würdigung, Urteil, Verriss.

Oder auch:

kritische Besprechung von Büchern, Theateraufführungen u. a.

So richtig positiv hört sich das, trotz der kritischen Würdigung, für mich irgendwie nicht an. Und deshalb schreibe ich keine Rezensionen oder rezensionsähnliche Artikel, wie Frau Dr. Dr. Fellmonster hier anzumerken pflegte. Ich maße mir Derartiges nicht an. Ich tendiere doch eher zu Huldigungen vor allem bei hübschen Autorinnen, wie in dem von Frau Dr. Dr. Fellmonster aufgeführten Fall. Oder bei Pratchett, Jordan und anderen, von mir vergötterten, Autoren. Gerate ich beim Lesen in Feuchtgebiete, die selbst mir am Allerwertesten vorbei schlendern, lasse ich darüber maximal eine Bemerkung fallen und stelle den geneigten LeserInnen anheim, diese eigenständig zu interpretieren. Ich nutze also, wenn überhaupt, nur einen sehr kleinen Teil des Rezensionsbegriffs: die Würdigung. Und damit sind wir nun endlich bei der Überschrift …

Hin und wieder neige ich dazu, Worte auf die Feinwaage zu legen. Weil ich unsere Sprache liebe und ihre zahlreichen Möglichkeiten schätze. Nehmen wir die Begriffe Autor und Schriftsteller. Diese verhalten sich für mich Äquivalent zu Anstreicher und Maler. Der eine ist Handwerker, der andere Künstler. Nun kann jemand sein Handwerk gut oder weniger gut beherrschen und so, wie sich ein Anstreicher zum Maler entwickeln kann, kann auch ein Autor zum Schriftsteller werden. Und sich somit außerhalb jeglicher Rezensionsmöglichkeit stellen, denn Kunst spricht einzig und allein für sich.

Wäre ich nun zynisch, würde ich darüber philosophieren, ob männliche Rezensenten eventuell einen zu kleinen Penis haben und nur deshalb über die Bücher anderer schreiben, weil sie sich keinen Porsche leisten können. Oder ob Rezensentinnen einfach nur zu wenig guten Sex haben – aber das wäre unsachlich. Und so etwas kennt Ihr ja von mir überhaupt nicht. Also muss es wohl daran liegen, dass viele KritikerInnen einfach nur frustriert darüber sind, es selbst nicht einmal zum Autor/zur Autorin gebracht zu haben. Wohl gemerkt, bevor nun alle aufschreien, die selbst über Bücher schreiben: Ich spreche bisher nur über Rezensionen.

Wie es meine charmante Art ist, möchte ich versöhnlich enden und die Menschen feiern, die einfach darüber schreiben, wie ihnen persönlich das Werk dieses Autors oder jener Schriftstellerin gefallen hat. Die nicht schreiben: Das Buch ist schlecht, es ist keine Literatur … es ist Schund (bei Werken von Sarrazin und Herman aber erlaubt). Sondern die höchstens schlicht anmerken, dass es sie persönlich nicht angesprochen hat, weil … Noch besser ist es meiner Meinung nach allerdings, das, was einem nicht konvenierte, leise hinten runter fallen und verschimmeln zu lassen. Aber jenes, was begeisterte, enthusiastisch zu feiern und, mit fünf Sternen oder Limetten versehen, zu empfehlen. Denn sonst ergeht es einem eventuell so, wie einem gewissen André Ehrl-König (allein für diesen Namen lohnt es sich schon, Martin Walser, einen Schriftsteller, zu feiern). Und das wollen wir doch nicht …

Kommentare

  1. Dieser Artikel enthält viel Schönes und Wahres, allerdings gibt es auch schwärmerische Rezensionen, die das Objekt der Besprechung feiern, insofern bleiben einige Deiner Artikel definitiv zumindest rezensionsähnlich, wenn sie auch nicht 100 %ig der o. g. Definition entsprechen mögen. http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/WZ-tanzen.gif http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_whistle3.gif Aus der Nummer kommst Du nicht raus. http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/dj_dark.gif
    Die Arroganz bestimmter Kritiker stößt mir allerdings auch öfter mal sauer auf. Einige glauben offensichtlich, im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein… Am schönsten ist es, wenn sich Kritiker nicht einig sind und sich gegenseitig heftig angehen. War ja vor einiger Zeit bei dem Roman „Imperium“ von Kracht so.
    Wie ich aber schon bei Silkes Artikel schrob: Bestimmte Bücher werden in den meisten Bücherblogs nicht besprochen, da stolpert man oft nur bei den professionellen Kritikern drüber… Es gibt durchaus auch Rezensenten, die in der Lage sind, angenehme, faire Beurteilungen zu schreiben.

    • Pah, was Du eine „schwärmerische Rezension“ nennst, nur, damit Du nicht zugeben musst, dass ich nicht rezensiere, ist doch nichts anderes als das, was ich treffend mit „Huldigung“ beschreibe :yes: :-P Und „rezensionsähnlich“ eben nur in marginalen Teilen, der „Würdigung“ nämlich *aufstampf*

      Aber ich stimme Dir absolut zu: Die Kritik des Sachbuches ist auch (meistens) viel „sachlicher“, als die eines Romans. Hat wohl etwas mit Fakten und Fiktion zu tun. :yes: Da sind dann auch „Rezensionen“ (von mir aus in Mephis Namen) angebracht ;-)

  2. Und die nächste super Umsetzung eines für mich sehr schwierigen Themas. Aber ich muss dir zustimmen! Eine Rezension, die sagt, das hat mir gefallen, weil… Das hat mir nicht gefallen, weil… klingt für mich auch glaubwürdiger, als einfach pauschale Aussagen zu treffen. Eine Rezension ist und bleibt eben immer eine persönliche Meinung. Und über die kann man sich ja vortrefflich streiten.

    Wuff-Wuff dein Chris

  3. Ein herrlicher Post, der mich richtig gut unterhalten hat….
    Der Buchtitel hingegen lässt alle Schreiber einer Rezension erstarren und schweigen. Zumindest, wenn sie an ihrem Leben hängen.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Wie schön – also war dieser Text nicht nur pro domo ;-)
      Und klar, der Herr Walser hat sich da auf sehr süffisante Art mal Luft gemacht. Ich verstehe ihn voll und ganz; und auch, warum die Kritik das Buch nicht liebte :yahoo:

      LG,
      Ralph (und Knuddler an Söckchen)

  4. Da freut sich aber die Rezension, dass du so schön über sie rezensierst… ^^
    Nennt sich das jetzt Meta-Resenzion? Und was zur Hölle quatsch ich da eigentlich…??

    Egal, diesen Artikel versehe ich persönlich jedenfalls mit 5 Limetten und den dazu passenden Spirituosen obendrauf! So siehts aus http://www.wauzelwelt.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif

    Absolut unkritische Grüße von der Isi

Sitz! und gib Laut:

Bitte frei Schnauze - keine Pfote vor die selbige nehmen!

Rechtschreibfähler werden hier freundlich icknoriert und wechgewedelt!

*

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